Musizieren am PC

Die Kommunikationsfähigkeit der Musikinstrumente erreichte Anfang der Achtzigerjahre einen neuen Höhepunkt. Erstmals konnte ein Musikinstrument, angeschlossen an einen Computer, ein anderes emulieren. Damit wurde der Grundstein für das heutige, virtuelle Home-Studio gelegt. Diverse Hard- und Software-Normen bestimmen seitdem, ob ein System läuft oder seinen Anwender in den Wahnsinn treibt.


1.0 Einleitung
2.0 Benötigte Hardware
3.0 System vorbereiten
4.0 System vorbereiten
5.0 Musiksoftware
6.0 Die Produktion

1.0 Einleitung

Vorbei sind die Zeiten, als Musikstücke lediglich in teuren Musikstudios das Licht der Welt erblickten. Das Tape-Deck hat nahezu ausgedient. Bit und Bytes bestimmen über die Klangqualität und Computer werden immer mehr zu einem unverzichtbaren Gefährten der Musiker.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind über die Hälfte der deutschen Haushalte im Besitz eines Computers. Somit wären über 40 Millionen Bürger in der Lage, ihr musikalisches Können am heimischen PC zu demonstrieren. Doch die Begeisterung der deutschen Computer-Anwender hält sich beim Musikmachen mit dem eigenen Rechner in Grenzen. Zu teuer, zu kompliziert oder zu zeitaufwändig sei die Anschaffung eines Home-Studios. Wir trotzen diesen Vorurteilen und widmen dieses Seminar-Thema musikalisch interessierten Anwendern, die gerne komponieren, aber sich bisher noch nicht trauten.
2.0 Benötigte Hardware

Um die ersten Töne aufzunehmen, genügt für den Anfang, neben dem Rechner, ein Mikrofon und ein einfaches MIDI- oder Master- Keyboard. Für die Musikausgabe werden zudem ein Kopfhörer oder entsprechende Musikboxen, die ohnehin in nahezu jedem Haushalt vorhanden sind, benötigt.

Wer es auf ein virtuelles Home-Studio abgesehen hat und zudem mit einem neuen Komplettrechner liebäugelt, sollte vor allem auf die Innereien seines künftigen Systems achten. Beispielsweise bieten viele Festplatten-Hersteller Modelle mit 8 MB internem Cache. Diese sind nicht wesentlich teurer aber durchaus leistungsfähiger als vergleichbare Laufwerke mit kleinerem Zwischenspeicher.

Beim Hauptspeicher empfiehlt es sich, immer auf Marken-Hersteller zu setzen und der Prozessor sollte mit einem ausgereiften Mainboard-Chipsatz zum Einsatz kommen. Diese Komponenten werden insbesondere beim Harddiscrecording einer Härteprüfung unterzogen und sollten daher gut miteinander harmonieren.
3.0 Passende Soundkarte

Bei der Wahl der richtigen Soundkarte scheiden sich die Geister. Viele Anwender schwören auf Karten, für deren Preis man einen modernen Rechner samt Monitor bekommen könnte. Andere setzen wiederum auf weniger teuere Modelle, die aber immerhin um die 300,- Euro kosten. Für Einsteiger empfehlen wir die Delta Audiophile 2496 der Firma M-Audio. Sie ist mit rund 160,- Euro zwar immer noch kein Schnäppchen, aber interessant für gute Resultate. Für den Start in die Musikwelt stellen Audigy2-Karten der Firma Creative, sowie einige Modelle des Unternehmens Terratec eine noch günstigere Wahlmöglichkeit dar. Professionelle bzw. semiprofessionelle Anwender kommen um die beliebten, kostspieligen DSP-Karten der Hersteller RME, Motu, Creamware oder Edirol nicht herum.

Wer seinem OnBoard-Sound-System treu bleiben möchte, kann dennoch über die MIDI-Schnittstelle musizieren. MIDI steht für Musical Instrument Digital Interface. Dieser Port ist ein Standard, der unter anderem Informationen über Tonhöhe, Klang, sowie Klangcharakteristik eindeutig für alle elektronischen Instrumente interpretiert. Oft wird der Joystick-Anschluss mit speziellen Adaptern zur MIDI-Schnittstelle umfunktioniert. Man kann aber auch den Rechner mit einem so genannten MIDI-Interface über die USB-Schnittstelle erweitern.

Solange User mit MIDI-Dateien arbeiten, spielt die Wahl der Soundkarte so gut wie keine Rolle. Doch wenn es sich um Harddiscrecording handelt, wie beispielsweise Gesangsaufnahme auf die Festplatte, weisen plötzlich viele Karten eine große Latenzzeit auf. Diese macht sich vor allem bei der Duplex-Fähigkeit - gleichzeitige Aufnahme und Wiedergabe - der Soundkarte bemerkbar. Das Ergebnis ist meist eine versetzte Aufnahme der Audiodateien. Schnelle Hardware und verbesserte Treiber in Verbindung mit zuverlässigen Soundkarten können hier die Latenz erheblich senken und das Auftreten eines solch unangenehmen Nebeneffekts verhindern.
4.0 System vorbereiten

Bevor mit der Installation der Musiksoftware begonnen wird, sollte der Anwender sein System einmal unter die Lupe nehmen. Audio-Aufnahmen verlangen ein Maximum an Performance. Gerade unter Windows gibt es sehr viele Details, deren Umstellung das Musizieren erheblich erleichtern könnte. Beispielsweise sollten Autostarteinträge entfernt, Papierkorb entleert und energiesparende Eigenschaften sowie Hintergrund-Anwendungen ausgeschaltet werden. Auch eine regelmäßig defragmentierte Festplatte lässt so manche Probleme erst gar nicht aufkommen.

Profis sollten den Aufwand betreiben und die Tastenkombinationen der entsprechenden Programme auswendig lernen. Mit einer logischen Tastaturbelegung ist man bei weitem schneller als mit der Maus.
5.0 Musiksoftware

Sequenzer Software

Um Musik aufzunehmen und sie zu bearbeiten, benötigen Musiker so genannte Sequenzer Software. Diese Tools gibt es für fast jedes Betriebssystem und in verschiedenen Ausführungen. Die wohl bekanntesten und populärsten Sequenzer-Programme sind, Logic Audio von Emagic, Cubase VST von Steinberg, und Sonar (früher Cakewalk) von der Firma Cakewalk . Daneben gibt es noch zahlreiche Shareware- und Freeware-Sequenzer-Tools, die sich im Internet befinden. Einsteiger sollten hier lieber auf die kostenlose Software bzw. Shareware zurückgreifen, denn je professioneller das Programm, umso komplizierter ist die Bedienung. Wer gerne mit Steinberg & Co. musizieren will, sollte sich hier mit älteren Versionen anfreunden. Sie sind im Vergleich zu den neueren Varianten einfacher in der Handhabung und vor allem erheblich günstiger.

Sequenzer bieten in erster Linie die Möglichkeit einer mehrspurigen Aufnahme und tragen einen wesentlichen Teil zum Musizieren bei. Sind bei einem Musikstück Gesang oder andere Audiodateien vorgesehen, dann sollte das Programm neben MIDI auch das Format Wave unterstützen. Je mehr Wave-Kanäle ein Song aufweist, umso mehr wird der Rechner gefordert. Eine gute Treiber-Konfiguration, sowie gute Zusammenarbeit zwischen den Hard- und Software-Komponenten könnten das System unter Umständen erheblich entlasten.

Synthesizer und Sampler

Wem die internen MIDI-Klänge seiner Soundkarte zu künstlich erscheinen, sollte zu Software Synthesizern wechseln. Damit können wirkliche Instrumente nahezu perfekt nachgebildet werden. Für mehr Abwechslung und noch natürlichere Klänge kommen Sampler zum Einsatz. Programme wie Halion, Gigasampler und Reaktor sind in den meisten Homestudios vertreten und ersetzen zudem die teureren Hardware-Sampler.

Ein Sampler zeichnet gewünschte Klänge über ein Mikrofon auf und ermöglicht diese zu bearbeiten. Auch Wave-Dateien aus einer Sound-Bibliothek können geladen und anschließend systematisch geändert werden. Hier stellt die Software immense Anforderungen an die Rechenpower. Abhilfe schaffen hier DSP-Soundkarten. RME Hammerfall gehört hier zu den beliebtesten Karten dieser Art. DSP steht für Digital Signal Processing und sorgt für weniger Belastung im System. Bei den Modellen, die mit dieser Technologie bestückt sind, sitzt der Sampler direkt auf der Soundkarte und kann so eine Überlastung des Prozessors verhindern.
6.0 Die Produktion

Arrangement

Der erste Schritt beim Musizieren mit einer Sequenzer-Software lautet Arrangieren. Hier werden einzelne MIDI- und Wave-Spuren nacheinander aufgenommen, die Eingangssequenz, die Strophe, der Refrain und das Zusammenspiel der Instrumente festgelegt. Dabei greifen Musiker oft auf Funktionen wie Klonen, Kopieren, Ausschneiden, Duplizieren und Drag & Drop zurück.

Mixing

Sind alle Spuren im Rechner, kann mit dem Mixing begonnen werden. Damit will man vor allem ein ausgewogenes Klangbild erreichen. So wird nach und nach die Lautstärke der einzelnen Kanäle aufeinander abgestimmt. In der Regel sollte die Gesangstimme weit vorne, Bass und Schlagzeug eher hinten klingen. Je nach Software können Wave-Dateien via plug-in oder durch andere externe Programme mit Echo, Hall oder ähnlichen Effekten versehen werden.

Mastering

Nun nähern wir uns dem Ende der Produktion. Für den letzten Schliff werden alle Spuren zunächst auf zwei Kanäle verteilt (man Spricht von Mixdown). Als nächstes wird die Aufnahme durch Mastering in ihrer Gesamtheit so beeinflusst, dass ein einheitlicher Sound zustande kommt. Beispielsweise werden Pegelspitzen abgesenkt oder ein so genannter Limiter eingesetzt, der alle Töne oberhalb einer bestimmten Frequenz abschneidet. Während der gesamten Produktion sollte sich der Anwender auf sein gutes Gehör verlassen können, denn die Technik alleine reicht nicht aus.
Fazit:

Musizieren am PC ist nicht einfach. Es erfordert sehr viel Geduld und nimmt ziemlich viel Zeit in Anspruch. Doch dank neuer Entwicklungen im Hard- und Software-Bereich bleibt dieses Gebiet nicht nur dem Profi vorbehalten.

Unkomplizierte Installationsvorgänge, anwenderfreundliche Software, sowie ausgereifte Hardware eröffnen zudem neue Türen für den Einstieg in das virtuelle Home-Studio. Wer sich heute zum Musikmachen berufen fühlt, der hat so gut wie unbegrenzte Möglichkeiten am PC. Dabei ist das Beherrschen eines Instruments nicht einmal zwingend notwendig. (mh)




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Das virtuelle Home-Studio





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